Frage: Betrachten Sie in der Beschäftigung mit KI und Sprache, wie KI (bereits nachweisbar) unsere Sprache beeinflusst und alltägliche Wortwahl ändert und wenn ja, gibt es daraus irgendwelche nützlichen Schlüsse für uns zu ziehen oder eher als irrelevant abzutun?
In meiner Forschung beschäftige ich mich bisher nicht konkret mit dem Einfluss von KI auf Alltagssprache. (Bisher habe ich andere Einflussfaktoren auf Sprachwandel untersucht.) Aber die Frage finde ich sehr interessant und relevant!
Eine kurze Literaturrecherche hat mir gezeigt, dass es zwar bereits ein wenig anfängliche Forschung zu dem Thema gibt, aber noch nicht sehr viel. Zum Beispiel hat eine Studie den Trend untersucht, dass Sätze (im Englischen) im digitalen Zeitalter immer kürzer werden und dabei zum Beispiel längere Redewendungen (wie „in order to“) durch kürzere („to“) ersetzt werden. Das wird durch KI-Tools wie Grammarly oder ChatGPT vermutlich noch verstärkt (Rudnicka, 2023). Sprachwandel so konkret und aktuell zu untersuchen ist methodisch etwas schwierig, weil wir uns ja gerade mitten in diesem Wandel befinden. Aber das ist bestimmt ein Thema, zu dem es bald noch aussagekräftigere Studien geben wird.
Zu der Frage, ob wir daraus nützliche Schlüsse ziehen können: Ich denke, zu wissen, wie sich Sprache verändert ist immer interessant, da es uns viel über das „Menschsein“ sagen kann. Konkret und im Alltag wird es vielleicht die Erkennung von KI-generierter Sprache noch schwieriger machen, da sich menschliche und KI-generierte Sprache immer mehr annähern. Auf der anderen Seite wird es immer auch neue Entwicklungen und Trends geben und Menschen sind schon immer kreativ mit ihrer Sprache umgegangen und diese Prozesse von Sprachwandel gehören einfach dazu. Eine Hypothese könnte sein, dass sich der natürliche Sprachwandel durch die Nutzung von KI-Systemen verstärkt oder an Geschwindigkeit zunimmt. Wir werden allerdings mehr Forschung brauchen, damit ich dir eine endgültige Antwort geben kann 🙂
Absolut, das ist ein sehr spannendes Forschungsfeld! Studien zeigen, dass wir unsere Sprache oft unbewusst an die KI anpassen. Wenn ein Sprachassistent kühl und technisch mit Fachwörtern antwortet, werden auch wir distanzierter. Wenn die KI aber freundlich ist und ‚Bitte‘ oder ‚Danke‘ sagt, passen wir unseren Tonfall an und spiegeln das Gegenüber.
Das Interessante daran: Diese Effekte sind meistens nur kurzfristig. Sobald wir das Gespräch mit der KI beenden, kehren wir zu unserem normalen Sprachstil zurück – Langzeiteffekte auf unsere Alltagssprache wurden bisher kaum gefunden.
Was wir daraus lernen können? Wir Menschen sind soziale Wesen und spiegeln unser Gegenüber fast immer – egal, ob Mensch oder Maschine. Hersteller von Chatbots wissen das genau und designen KIs extra freundlich, damit wir positiver reagieren. Es ist also nützlich zu wissen: Die KI ist nicht wirklich ‚nett‘, sie ist nur so programmiert, damit wir uns ihr gegenüber anders verhalten.
Das ist eine wirklich tolle Frage! Wie du sicher weißt, hat z. B. ChatGPT einen ganz eigenen Schreibstil, den man oft sofort erkennt. Bestimmte Wörter, Formulierungen oder Satzzeichen kommen bei ChatGPT deutlich häufiger vor als in typischen, von Menschen verfassten Texten. Wenn Menschen nun tatsächlich dieselbe Sprache verwenden, kann es passieren, dass das, was sie selbst geschrieben haben, fälschlicherweise für einen KI-generierten Text gehalten wird. Ich kann mir vorstellen, dass viele das vermeiden möchten und beim Schreiben bewusst darauf achten, nicht wie eine KI zu klingen.
Bei mir meinte beispielsweise einmal ein Gutachter zu einem Artikel, an dem ich mitgeschrieben hatte, ich solle doch bitte die Nutzung von KI in diesem Kapitel kennzeichnen. Allerdings hatte ich das Kapitel tatsächlich selbst verfasst. Offenbar haben ChatGPT und ich die Gemeinsamkeit, beide ganz gerne das Wort „to foster“ zu verwenden, wenn wir darüber sprechen, wie z. B. eine Technologie Medienkompetenz fördern kann. Und da ich in dem Kapitel das Wort zwei- oder dreimal verwendet hatte, dachte der Gutachter: „Das kann ja nur ein Hinweis auf ChatGPT sein.“
Das hat mich damals echt ein bisschen zum Nachdenken gebracht: Soll ich wirklich meinen persönlichen Sprachstil anpassen, nur weil ChatGPT an manchen Stellen ähnliche Wortpräferenzen hat wie ich? Ich habe mich dann explizit dagegen entschieden, die betreffenden Wörter durch Synonyme zu ersetzen, nicht nur, weil keines wirklich 100 % in den Kontext gepasst hätte, sondern auch einfach aus Prinzip, ich hab das Wort schließlich zu Erst „entdeckt“ 😉
Kommentare
Natalia commented on :
Absolut, das ist ein sehr spannendes Forschungsfeld! Studien zeigen, dass wir unsere Sprache oft unbewusst an die KI anpassen. Wenn ein Sprachassistent kühl und technisch mit Fachwörtern antwortet, werden auch wir distanzierter. Wenn die KI aber freundlich ist und ‚Bitte‘ oder ‚Danke‘ sagt, passen wir unseren Tonfall an und spiegeln das Gegenüber.
Das Interessante daran: Diese Effekte sind meistens nur kurzfristig. Sobald wir das Gespräch mit der KI beenden, kehren wir zu unserem normalen Sprachstil zurück – Langzeiteffekte auf unsere Alltagssprache wurden bisher kaum gefunden.
Was wir daraus lernen können? Wir Menschen sind soziale Wesen und spiegeln unser Gegenüber fast immer – egal, ob Mensch oder Maschine. Hersteller von Chatbots wissen das genau und designen KIs extra freundlich, damit wir positiver reagieren. Es ist also nützlich zu wissen: Die KI ist nicht wirklich ‚nett‘, sie ist nur so programmiert, damit wir uns ihr gegenüber anders verhalten.
Tim commented on :
Das ist eine wirklich tolle Frage! Wie du sicher weißt, hat z. B. ChatGPT einen ganz eigenen Schreibstil, den man oft sofort erkennt. Bestimmte Wörter, Formulierungen oder Satzzeichen kommen bei ChatGPT deutlich häufiger vor als in typischen, von Menschen verfassten Texten. Wenn Menschen nun tatsächlich dieselbe Sprache verwenden, kann es passieren, dass das, was sie selbst geschrieben haben, fälschlicherweise für einen KI-generierten Text gehalten wird. Ich kann mir vorstellen, dass viele das vermeiden möchten und beim Schreiben bewusst darauf achten, nicht wie eine KI zu klingen.
Bei mir meinte beispielsweise einmal ein Gutachter zu einem Artikel, an dem ich mitgeschrieben hatte, ich solle doch bitte die Nutzung von KI in diesem Kapitel kennzeichnen. Allerdings hatte ich das Kapitel tatsächlich selbst verfasst. Offenbar haben ChatGPT und ich die Gemeinsamkeit, beide ganz gerne das Wort „to foster“ zu verwenden, wenn wir darüber sprechen, wie z. B. eine Technologie Medienkompetenz fördern kann. Und da ich in dem Kapitel das Wort zwei- oder dreimal verwendet hatte, dachte der Gutachter: „Das kann ja nur ein Hinweis auf ChatGPT sein.“
Das hat mich damals echt ein bisschen zum Nachdenken gebracht: Soll ich wirklich meinen persönlichen Sprachstil anpassen, nur weil ChatGPT an manchen Stellen ähnliche Wortpräferenzen hat wie ich? Ich habe mich dann explizit dagegen entschieden, die betreffenden Wörter durch Synonyme zu ersetzen, nicht nur, weil keines wirklich 100 % in den Kontext gepasst hätte, sondern auch einfach aus Prinzip, ich hab das Wort schließlich zu Erst „entdeckt“ 😉