• Frage: Kann die KI helfen, den Krankheitsverlauf anhand der MRT-Bilder vorherzusagen?

    Frage gestellt aced35seg am 18 Feb 2026.
    • Foto: Heinke Hihn

      Heinke Hihn Beantwortet am 18 Feb 2026:


      Ja, das geht schon ganz gut,. Es gibt spezielle Arten von KI Algorithmen, die sehr gut Bilder und andere komplexe Daten auswerten können – man nennt sie Convolutional Neural Networks. Diese werden dazu mit ganz, ganz vielen Bildern und einer passenden Diagnose gefüttert. Dadurch können sie lernen, den Zusammenhang zwischen MRT-Aufnahme und Diagnose zu verstehen. Zeigt man der KI nun eine neue MRT Aufnahme, die sich vorher noch nie gesehen kann, kann sie die Diagnose oder den Krankheitsverlauf vorhersagen.

      Es gibt aber noch Probleme, was das Vertrauen in die KI angeht. Man kann noch nicht verlässlich sagen, warum die KI eine bestimmte Entscheidung getroffen hat. Einen Arzt oder eine Ärztin kann man aber immer um eine Erklärung bitten. Hierzu wird auch viel im „Explainable AI“ – also erklärbare KI – geforscht und auch große Fortschritte gemacht. Die meisten Menschen sind aber einem KI-Doktor immernoch eher skeptisch gegenüber.

    • Foto: Jens-Bastian Eppler

      Jens-Bastian Eppler Beantwortet am 18 Feb 2026:


      Vorhersagen ist schierig. Erkennen geht schon ganz gut. Z.B. Tumore auf Hirnscans oder ähnliches.

      Bei Krankheitsverläufen ist KI auch schon besser als Menschen, aber allzu hilfreich ist eine Aussage wie: „Du hast eine 5% Wahrscheinlchkeit für eine bestimmte Krankheit in den nächsten 5 Jahren“ ja dann auch nicht. Und bei herkömmlichen Sachen sind die Zusammenhänge ja auch bekannt. Wie z.B. Rauchen ist ungesund, Sport ist gesund. Und auf solchen Zusammenhängen basieren diese Vorhersagen unter anderem.

    • Foto: Katharina Beckh

      Katharina Beckh Beantwortet am 18 Feb 2026:


      Ja, zu einem gewissen Grad geht das.

      Das gilt auch für andere bildgebende Verfahren wie das Röntgen.
      Mein Lieblingsbeispiel dazu ist ein KI-System, das AsymMirai heißt [1]. Es wird für die Brustkrebsvorhersage eingesetzt.
      Brustkrebs tritt recht häufig auf, eine von acht Frauen erkrankt an Brustkrebs. Deshalb werden regelmäßig Checks durchgeführt, die Mammographien.
      Es gibt bestimmte Risikorechner, die aber recht ungenau sind.
      Dann hat ein Forschungsteam Mirai, einen Vorläufer von AsymMirai, entwickelt. Mirai kann mit hoher Genauigkeit vorhersagen, ob eine Frau in den nächsten Jahren an Brustkrebs erkrankt. Das Problem ist nur, dass Mirai von den Mechanismen her so komplex ist, dass man nicht wusste, warum Mirai bestimmte Vorhersagen gegeben hat.
      Das Forscherteam von AsymMirai hat sich also das Verhalten von Mirai unter die Lupe genommen und ausprobiert wie sich das System bei unterschiedlichen Bildern verhält. Dabei haben sie entdeckt, dass Unterschiede des linken und rechten Brustgewebes die entscheidende Rolle spielen. Dieses neue Wissen haben sie genutzt und ein einfacheres KI-System gebaut, das ähnlich gute Vorhersagen macht wie Mirai – nur verständlicher.

      Wichtig: Vorhersagen können auch mal falsch sein. Wie auch die Wettervorhersage mal daneben liegt.
      Der Vorteil von KI ist, dass die Vorhersagen etwas besser sind als mit anderen Methoden. Damit kann sich das medizinische Personal auf das Wesentliche konzentrieren und die Patientenversorgung wird verbessert.

      [1] Donnelly, Jon, et al. „AsymMirai: interpretable mammography-based deep learning model for 1–5-year breast cancer risk prediction.“ Radiology 310.3 (2024): e232780.

    • Foto: Aya Ghoul

      Aya Ghoul Beantwortet am 19 Feb 2026:


      KI kann mittlerweile richtig gut dabei helfen, Krankheitsverläufe vorherzusagen. Ein richtig spannender Ansatz ist die biologische Altersschätzung: Anstatt einfach das Kalenderalter zu nehmen, schätzt die KI, wie „alt“ Organe oder Gewebe tatsächlich sind also wie stark sie sich über die Zeit verändern.
      Dafür wird sie auf riesigen Kohorten trainiert, tausende oder sogar hunderttausende Patient:innen mit MRTs, CTs oder anderen Bildgebungen, und lernt, welche Merkmale typisch für gesundes Altern und welche für frühzeitige Schäden sind. Das kann für jedes Organ funktionieren: Herz, Gehirn, Leber, sogar Knochen.
      So kann man zum Beispiel sagen: „Dein Herz oder deine Leber wirkt wie bei jemandem, der 5 Jahre älter ist“ und daraus ableiten, welche Risiken für die Zukunft bestehen. Man bekommt also eine Art organisches Frühwarnsystem, bevor echte Symptome auftauchen.
      Die biologische Altersschätzung ist nicht nur für gesunde Leute interessant gerade für kranke Menschen kann sie richtig wertvoll sein. Wenn ein Organ „älter“ wirkt als es laut Kalenderalter sein sollte, zeigt das, dass es schon belastet oder geschädigt ist. So können Ärzt:innen früh einschätzen, wie schnell sich eine Krankheit entwickeln könnte oder welche Risiken besonders hoch sind.
      Und das Beste: Die KI schaut nicht nur auf MRTs oder andere Bilder. Sie kann auch Berichte, Laborwerte und sogar Lebensgewohnheiten wie Ernährung, Bewegung oder Rauchen einbeziehen. So entsteht ein viel vollständigeres Bild: Zum Beispiel könnte ein Herz, das biologisch älter wirkt, bei jemandem, der raucht und wenig Sport macht, schneller Probleme machen, die KI kann diese Informationen zusammenbringen, um die Vorhersage zu verfeinern.

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